Samstag, 24. Februar 2018

Wie man die tägliche Meditationsübung einführt

Wie man die tägliche Meditationsübung einführt und beibehält
Einer der wichtigsten Aspekte bei der Meditation besteht darin, die Übung täglich durchzuführen. Wenn ich das tue, so werde ich als Erstes feststellen, dass ich vielleicht am Montag im Stande bin, sehr gut bei meinem Atem zu bleiben, dass es am Dienstag aber in einen Kampf ausartet und am Mittwoch sogar noch schlechter geht. Am Donnerstag kann es dann wieder besser gelingen, während es am Freitag vielleicht völlig enttäuschend ist.
Es ist wichtig, dass ich meine Meditationen nicht bewerte, denn meine Aufgabe ist es, auf dem Meditationskissen oder dem Stuhl zu sitzen und alles, was auch immer geschieht, anzunehmen und mich damit in Beziehung zu setzen, was immer nur eine Spiegelung der Verfassung sein wird, in der mein Körper und Geist sich in diesem Augenblick gerade befindet. Auch wen ich am Ende des Tages ganz von der Rolle bin und in den 20 Minuten der Meditation nur drei Atemzüge bewusst wahrnehmen kann, während ich den Rest der zeit in Gedanken verloren zubringe, mach es trotzdem. Ich versuche, keine Erwartungen zu hegen, weil ich mich dazu verpflichte, es als eine Übung durchzuführen, und ich lasse mich von dem, was auch immer da geschieht, nicht entmutigen. Ich bedenke, dass die Meditationsübung etwas Ähnliches ist wie Klavierspielen zu lernen, denn am Anfang besteht nur daraus, die Finger dazu zu bringen, eine Reihe von Übungen zu machen. Doch später werde ich dann im Stande sein, die Fingerübungen zu vergessen und die Musik zu hören, die sie hervorrufen.
Ich und andere Menschen haben im Leben schon Augenblicke erlebt, in denen die Gedanken abgewandert sind, und daher ist es wahrscheinlich, dass ich die Angewohnheit abzuschweifen über Nacht verändern kann. Meditation funktioniert, aber man braucht dazu Beharrlichkeit und eine sanfte Selbsterziehung.
Hier habe ich einige Anregungen, die helfen können sich an die tägliche Meditation-Praxis zu gewöhnen:
Ich suche mir eine Tageszeit aus, dir mir liegt, und versuche dann, jeden Tag um diese Zeit zu meditieren.
Ich richte mich nach meinem eigenen Rhythmus. Wenn ich ein Morgenmensch bin, so möchte ich kurz nach dem Aufstehen meditieren. Aber andere Menschen finden es leichter, ihre Meditation-Sitzung am Nachmittag oder am Abend durchzuführen.
Ich suche mir eine ruhige Ecke, wo ich jeden Tag üben kann, doch es kann an jedem Ort sein, aber vorausgesetzt, dass ich dort für den Verlauf meiner Sitzung ungestört bleibe, kann. Ich benutze einen Stuhl, ein Meditation-Kissen oder eine andere Stütze, was mir am besten hilft, meine meditative Körperhaltung und meine Aufmerksamkeit beizubehalten.
Ich werde jeden Tag meditieren, etwa eine halbe Stunde oder länger. Auch wenn es nur fünf Minuten am Tag sind, wird es nützlich sein, solange ich mich verpflichte, während dieser Zeit den Atem zu spüren und die Aufmerksamkeit auf meine Körperempfindungen, meine Gedanken und Gefühle zu richten.
Je nachdem, wozu ich an dem betreffenden Tag Lust habe, mache mache ich eine Meditation oder auch eine Kombination aus mehreren.
Ich werde es hilfreich finden, inspirierende Gegenstände an meinen Meditationsplatz zu bringen: ein Bild, etwas Raucherwerk oder möglicherweise ein Buch. Denn ich möchte vielleicht eine kurze Stelle aus meinem Buch lesen, bevor ich mit der Meditation beginne. Und viele Menschen, die meditieren, zünden eine Kerze an, um damit die Erleuchtung zu symbolisieren, die ein Geschenk der Bewusstheit ist.
Ich bedenke, dass die Meditation nicht irgendwann fertig ist, sondern sie ist eine lebenslange Übung, in der ich mit Atmung, Körperempfindungen, Gedanken und emotionalen Energien arbeite, und ich werde so immer besser in der Lage sein, in jeder Lebenssituation gelassen und aufgeschlossen zu bleiben.
Halte es einfach. Der Sinn der Vipassana-Meditation besteht nicht darin, irgendwelche besonderen Erlebnisse zu haben, sondern sich dessen bewusst zu werden, was auch immer ich erlebe. Eine Haltung von kindlicher Offenheit wird mir helfen, die Wahrheit meines Lebens im gegenwärtigen Augenblick zu entdecken.

Freitag, 23. Februar 2018

Meditation und soziale Verantwortung

Meditation und soziale Verantwortung
Es gibt Menschen, die die Meditation nicht für eine Übung halten, die mich in die Gegenwart bringt, sondern für etwas, das mich von der Welt wegführt. Wenn mich die Einsamkeit fasziniert, so kann mich das von der Welt wegführen, aber damit für mich eine spirituelle Übung lebendig werden kann, muss ich sie in einem Supermarkt ausführen können, beim Autofahren oder wenn ich etwas mit meiner Familie unternehme. Doch ich kann mich regelmäßig zu Meditation-Wochenenden zurückziehen, aber der tiefere Sinn der Meditation besteht darin zu erkennen, dass ich Teil von allem bin, und nicht darin, vor irgendeinem Aspekt meines Lebens davonzulaufen. Denn ein wichtiger Aspekt in meinem Lebens ist die soziale Verantwortung.
So habe ich überzeugende Argumente für zwei unterschiedliche Standpunkte gehört, die meine soziale Verantwortlichkeit betreffen. Aus der einen Sichtweise ist es wichtig, dass ich mich mit den Problemen um mich herum beschäftige, insbesondere mit der Ausbeutung und den Ungerechtigkeiten, die es überall auf der Welt gibt. Und es hat immer den Anschein, als ob ich mich ständig im Krieg befinden oder einen Krieg vorbereiten würde. Doch für Millionen von Menschen ist der Krieg nur nur ein Begriff, sondern eine tägliche und schmerzvolle Realität. Und das Gleiche gilt für Hunger, Armut und Krankheit und all das Leid in der Welt. Selbst in einer reichen Überflussgesellschaft leiden alle Menschen auf vielfältige Weise. Von diesem Standpunkt aus gesehen ist es wichtig, dass ich etwas tue, um Leid und Ungerechtigkeit zu beenden. Aber ist es möglich, sich dessen bewusst zu sein und gleichzeitig seine Zeit mit Meditation zu verbringen?
Doch es gibt noch einen anderen Standpunkt, der ebenso überzeugend ist und besagt, das beste Weg, um Krieg und Leid zu mildern, besteht darin, seine Ursachen zu erkennen. Denn was ist die Ursache des Hungers, der Kriege und des Leidens? Denn es gibt genug Öl, genug Nahrung und genug Bodenschätze auf diesem Planeten. Aber die Ursache für einen Großteils des Leidens ist die Gier, und die Ursache der Gier sind Vorurteile und Hass. Es gibt Menschen, die mögen ihr Land, ihre Familie und ihre Religion, aber sie verabscheuen Menschen mit einer anderen Religion, mit einer anderen Hautfarbe und mit anderen Sitten und Gebräuchen. Dann gibt es Hamstern, Zusammenraffen, Gier, Hass und Unwissenheit. Und in der Geschichte der Menschheit hat es Revolutionen gegeben, die in mancher Hinsicht Verbesserungen gebracht haben, trotzdem sind die gleichen Arten von Problemen aufgetaucht, die schon vorher bestanden, weil auch die Revolutionen nicht an die Wurzeln dieser Probleme herangekommen sind.
Aber der Kern des Problems besteht häufig darin, dass der Einzelne nicht einmal die Wurzel von Wut und Hass in sich selbst entdeckt hat. Die Lösung liegt darin, dass jeder Einzelne lernen muss, wie er sich von den Ängsten und Vorurteilen, die in den Herzen und Köpfen der Menschen entstehen, befreien kann.Aber bevor ich das bewerkstelligen kann, muss ich lernen, die Welt so zu sehen wie sie ist, und nicht vor dem, was schmerzvoll ist, Angst zu haben und mich von dem, was angenehm ist, verführen zu lassen.Ich muss entdecken, dass mein Herz für alles, was ich erlebe, und für jeden Menschen, dem ich begegne, offen halten kann.
Von diesem Standpunkt aus braucht die Menschheit nicht mehr Öl, Nahrung, Geld oder sonst was Äußerliches, sondern viel mehr Menschen, die verstehen, wie man sich nicht in Ärger, Furcht und Vorurteile verstricken lässt.Doch in diesem Sinne ist Meditation weder ein Luxus noch ein Weg in die Weltflucht, sondern eine Möglichkeit, ein tiefes Gefühl für die Verantwortung zu entwickeln, die darin besteht zu lernen, wie man es vermeidet, von diesen Kräften gefangen genommen zu werden. Deshalb lerne ich in meinen Meditationsübungen als Erstes, was diese Erkenntnis innerlich für mich bedeutet, bevor ich dieses Verständnis in meine Begegnungen mit dem ökonomischen, sozialen und politischen Leiden in der Welt einbringe.
Aber es besteht auch eine Gefahr, dass ich die Meditation benutze, um mich von der Welt zurückzuziehen. Denn es gibt eine Lehre in der buddhistischen Tradition, die „enge Feinde“ heißt. Der „enge Feind“ der Liebe ist festhalten, denn er maskiert sich als Liebe, es fühlt sich an wie Liebe, aber es ist im Grunde genommen etwas anderes.Wenn jemand sagt:“Ich liebe dich“, dann meint er eigentlich “Ich klammere mich an dir fest, ich brauche dich, um ganz zu werden“. Der „enge Feind „ des Mitgefühls ist Mitleid: „Ach, die armen Leute da drüben, wie schlecht es ihnen doch geht. Mir geht es nicht so schlecht.“Mitleid hält mich von Menschen, für die ich Mitgefühl zu empfinden glaube, getrennt und macht mich ihnen überlegen.
Der „enge Feind“ von Gleichmut oder einem ausgeglichenen Geist ist Gleichgültigkeit. Se maskiert sich als Gleichmut, weil ich das Gefühl habe, dass alles in Ordnung ist, aber in Wirklichkeit bedeutet es stattdessen, dass ich keine Gefühle für andere Menschen habe. Denn wirkliche Gleichmut entsteht, wenn ich mein Herz offen halte und alles, was die Welt mir darbietet, mit Ausgeglichenheit, Liebe und Verständnis erlebe.
Ich laufe nicht vor der Welt davon, ich setze mich in die Mitte von allem nieder und richte meine Aufmerksamkeit auf alles, was gegenwärtig da ist, egal ob es sich um etwas Erfreuliches oder etwas Schmerzliches handelt, und fange an, es zu beobachten, um daraus zu lernen und auch zu lernen, wie ich auf weise Art mit allem in meinem Leben in Beziehung treten kann.

Donnerstag, 22. Februar 2018

Eine Meditation beim Gehen

Eine Meditation beim Gehen
Hier stelle ich eine weitere Meditation dar und zwar, die Meditation beim Gehen. Ich empfehle, dass sich jeder Anfänger, der mit dieser Meditation beginnen will, sich am Anfang Zeit für diese Meditation nimmt, so etwa 15 bis 20 Minuten, denn in dieser zeit kann man ein Gefühl für diese Meditation entwickeln und zwar, wie ich damit zurechtkomme.
Alles was ich für diese Meditation brauche, ist eine Örtlichkeit, an der ich die Meditation in aller Ruhe ausführen kann, ohne gestört zu werden. Der Ort kann in meiner Wohnung oder auch im Freien sein, aber ich benötige für die Meditation im Gehen einen Ort, an dem ich ungefähr 20 bis 30 Schritte hin und her gehen kann. Doch es ist am besten, wenn man diese Übung am gleichen Ort durchführen kann, damit ich nicht von neuen Dingen in der Umgebung abgelenkt werde. Aber es ist kein Spaziergang, denn ich muss mich auf das gehen konzentrieren und nicht auf das, was um mich herum vor sich geht.
Als Erstes begebe ich mich auf einen Platz, um still zu stehen. In dieser Meditation werde ich meine Augen offen und leicht nach unten gerichtet halten. Ich spüre meine Füße auf dem Boden oder auf der Erde, aber es spielt keine Rolle, ob ich Schuhe anhabe oder nicht, aber ich spüre die Verbindung zur Erde. Ich lasse die Hände da, wo sie sind, das heißt, wo sie mir am bequemsten sind. Ich lasse die Arme an der Seite herunterhängen und stelle meine Füße schulterbreit auseinander.
Meine Aufmerksamkeit richte ich ganz darauf, still zu stehen, und ich mache mir bewusst, welche Art von Körperempfindung ich spüre, und wenn ich im Freien bin, dann werde ich vermutlich einen Luftzug spüren, oder den Duft des Grases oder den Duft von Blumen. Ich kann auch Empfindungen in den Gliedmaßen spüren etwas das kratzen des Hemdes an der Schulter oder die Steifheit der Beine und Füße.
Führe ich diese Meditation beim Gehen durch, dann richte ich die Aufmerksamkeit auf den Akt des Gehens , und zwar in der gleichen Weise, wie ich sie bei der Sitzmeditation auf den Atem richte. Ich beginne damit, das Gewicht langsam auf den linken Fuß zu verlagern, und ich spüre, wie es sich anfühlt. Denn jetzt ist das Bein steif, schwer und hart, aber das andere ich locker und unbelastet, und das Knie ist leicht gebeugt. Ich kann sogar die Ferse vom Boden abheben, aber nicht die Zehen. Dann verlagere ich mein Gewicht langsam auf die andere Seite, und ich spüre wieder, wie es sich anfühlt.
Ich mache einen winzigen Schritt mit meinem linken Fuß, etwa vier bis fünf Zentimeter nach vorn, und achte dabei auf die Aktivitäten des Hochhebens und Niedersetzens. Jetzt verlagere ich mein Gewicht nach vorn auf den linken Fuß, mache einen winzigen mit dem rechten Fuß also hochheben und niedersetzen, und spüre, wie sich mein Gewicht wieder zurück in die Mitte zurück verlagert. Es ist wichtig dabei, dass ich die Schritte spüre, wie sich die Schwere des einen Fußes in Leichtigkeit verwandelt, und dann die Bewegung in meinem Bein spüre, und ich spüre , wie sich das Bein senkt, die Fußsohle auf den Boden setzt und Verbindung zum Boden herstellt, wenn es steif und schwer wird.
Bin ich ungefähr 20 Schritte gegangen, dann halte ich an und sammle mich wieder.Ich drehe mich langsam um, hebe dabei die Füße hoch und setze sie dann wieder ab. Jetzt gehe ich in der anderen Richtung zurück. Ich gehe diesen Weg achtsam hin und her , ohne dass ich den Autopiloten einschalte.
Ertappe ich mich dabei, dass während des Gehens meine Gedanken abschweifen, so bringe ich die Aufmerksamkeit zu dem zurück, was ich gerade tue, hochheben und absetzen. Wandern die Gedanken zu weit ab, dann akzeptiere ich, dass ich zu weit weg war, sammle mich, und kehre zum Hochheben und Absetzen wieder zurück.
Wenn ich stehen bleiben will, um etwas anzuschauen, dann kann ich stehen bleiben und es auch anschauen. Ich bin mir bewusst, dass ich etwas sehe, denn ich kann es auch benennen wie „Sehen, Sehen“ oder „Gefallen finden“ oder was auch immer.Habe ich genug davon, sammle ich mich wieder und kehre zum Hochheben und Absetzen zurück.
So kann ich auch ausprobieren, welche Geschwindigkeit mich am besten in der Gegenwart hält, und so kann ich meine Gangart ändern, und wenn ich müde bin, oder mit dem langsamen Gang nicht zurechtkomme, so gehe ich in einer Geschwindigkeit, die mir hilft, ganz aufmerksam zu sein.
Die Geh-Meditation ist eine gute Übung für jeden Tag, besonders an Tagen, an denen ich mich leicht ablenken lasse. Richte ich die Aufmerksamkeit, an ein und demselben Ort hin und her zu gehen, dann ist mir gleich klar, dass es mir nicht darum geht, irgendwo hinzukommen, sondern ich will dableiben, wo ich bin. Und darin liegt auch das innerste Wesen der Meditation.

Mittwoch, 21. Februar 2018

Eine Meditation beim Essen

Eine Meditation beim Essen
Die meiste Zeit verbringe ich und viele andere Menschen beim Essen, beim Einkauf von Lebensmitteln im Supermarkt, mit Freunden und Bekannten beim Essen oder in meinem Garten, um Gemüse anzubauen, zu ernten, zu lagern, dann zu zerkleinern, zu würzen, zu kochen zu servieren, dann zu essen und später das Geschirr abzuwaschen, und dann Geschirr und Lebensmittel wegzuräumen.Viele Menschen essen zwei, drei oder vier Mal am Tag, und die meiste Zeit über tue ich das mit eingeschaltetem Autopiloten. Ich kann in eine Restaurant gehen und ein fabelhaftes Essen zu mir nehmen, mit einer netten Unterhaltung, einem guten Glas Wein und allem, was eine Feinschmecker-Mahlzeit ausmacht, und mich am Ende des Essen immer noch hungrig fühlen.Wie ist so etwas möglich? Nun, ich bin sehr oft so damit beschäftigt zu reden, mich umzuschauen und meinen Spaß zu haben, dass ich kaum eine Chance habe, mein Essen zu schmecken.
Ich kann Essen, wie jede andere Tätigkeit, in eine Meditation umwandeln. Aber wenn ich jetzt nicht aufstehen möchte, um mir eine Mahlzeit zuzubereiten, so kann ich einfach damit beginnen, mit einigen Rosinen zu üben.
Will ich eine Essensmeditation in aller Form durchführen, so beginne ich zuerst einmal, alles zu verlangsamen. Ich nehme meinen Teller mit dem Essen, und stelle ihn vor mich hin. Manche Menschen sprechen ein Gebet oder segnen die Mahlzeit. Ein beliebtes Gebet ist eine Danksagung an alles, was dazu beigetragen hat, dass diese Speise auf meinem Teller vor mir. Der Mensch kann der Sonne danken und dem Regen und auch dem Menschen, der die Nahrung angebaut hat, aber auch der Mutter Erde und allem anderen, was einem noch dazu einfällt. Aber ich kann auch den Regenwürmern danken, dass sie den Erdboden angereichert haben, und die Bienen dafür, dass sie bei der Bestäubung der Pflanzen mitgeholfen haben. Denn es ist eine Tatsache, dass ohne die Bienen ein Leben nicht möglich wäre, aber auch die Regenwürmer tragen zum Leben dazu, denn alles auf der Erde ist miteinander verbunden.
Habe ich mein Tischgebet beendet, so bleibe ich für sechzig Sekunden vor meinem Teller sitzen, ohne etwas zu tun. Ich sitze einfach da und nehme Verbindung mit der Stille auf. Es kann sein, dass ich in meinem Körper noch etwas Hunger empfinde. Dann betrachte ich die Nahrung, fühle den Hunger und mache mir klar, dass ein großer Teil der Weltbevölkerung in einem ständigen Zustand von Hunger und Verlangen lebt. So kann ich jetzt erleben, wie schwierig es ist, das Hungergefühl gerade für sechzig Sekunden auszuhalten.
Und während ich das tue, kann ich untersuchen, wie sich das Hungergefühl in meinem Körper äußert. Ist mein Bauch hungrig? Sind meine Augen hungrig? Ist eine Zunge Hungrig? Oder wie fühlt sich der Hunger an? So kann ich das in Erfahrung bringen und finde mich damit ab, und sind die sechzig Sekunden vorbei, so verstehe ich den Hunger viel besser. Aber es kann auch sein, dass noch andere Gefühle zum Vorschein kommen, und die kann ich dann auch zur Kenntnis nehmen. Verabscheue ich Rosinen so benenne ich es Abscheu, und ich gebe mich ganz der Abscheu zu den Rosinen hin.
Jetzt bin ich bereit und beginne mit dem Essen. Ich tue es langsam und achtsam, in der gleichen Weise, wie ich meinem Atem gefolgt bin oder mir die verschiedenen Empfindungen in meinem Körper bewusst gemacht habe. Ich halte zuerst die Rosine in der Hand und betrachte sie genau. Ich versuche, sie nicht als Rosine anzusehen, weil „Rosine“ nur ein Wort ist. Stattdessen versuche ich, sie in ihrer eigenen und individuellen Form, Gestalt und Farbe wahrzunehmen.
Während ich nun weiter die Rosine betrachte, ich mir ihre ganze Geschichte vor Augen führen. Am Anfang wuchsen die Rosinen auf Reben und wurden zu Trauben, dann wurden sie geerntet und eine Zeit lang in die Sonne gelegt und getrocknet. Sie wurden dann verpackt und verschifft, ich habe sie dann gekauft und bin nun im Begriff, sie zu essen. Und ich kann mir jetzt bewusst machen, dass ich ein Teil eines großen Netzwerkes bin, das die ganze Erde umschließt. Ich bin ein lebendiges Wesen, und das ist etwas, dass die Erde hervorgebracht hat, und ich werde es jetzt in Energie für meinen Körper umwandeln, etwas das mir helfen wird, am Leben zu bleiben.
Ich berühre die Rosinen mit den Fingern. Und ich versuche die Rosinen nicht als Rosinen zu spüren, sondern nehme meine unmittelbaren Empfindungen wahr, welche es immer auch sein mögen. Fühlen sie sich klebrig an, weich, geben sie nach, wenn ich sie drücke oder sind sie kalt oder warm oder keines von beidem?
Ich gehe anschließend prüfend durch meinen Körper. Kann ich spüren, ob sich Speichel bildet? Und ich achte darauf, wie mein Körper von selbst damit beginnt, Speichel abzusondern, sobald ich Hunger empfinde, ohne das ich mir Gedanken darüber gemacht habe.
Wenn ich bereit bin, dann führe ich die Rosine in meinen Mund. Den Arm bewege ich dabei ganz langsam, so dass ich alle Empfindungen spüren kann, die daran beteiligt sind, die Hand zum Mund hochheben. Ich öffne langsam den Mund und spüre, wie sich das anfühlt. Dann lege ich eine Rosine auf die Zunge, aber ich fange nicht mit dem Kauen an. Zuerst untersuche untersuche ich, wie sich die Rosine auf der Zunge anfühlt, und schließe dann langsam den Mund und senke den Arm. Habe ich das erledigt, schließe ich meine Augen und beginne an zu kauen. Ich schmecke und schlucke dann mit Bedacht die Rosine. Aber ich bleibe dann weiterhin achtsam, nachdem ich sie hinuntergeschluckt habe. Ich spüre, wie die Nahrung durch die Speiseröhre in den Magen hinuntergleitet, und wenn ich fertigt bin, dann öffne ich langsam die Augen.
Nehme ich die ganze Mahlzeit mit dieser Achtsamkeit zu mir, so ändere ich meine Beziehung zur Nahrung und zum Essen, denn ich begreife, dass ich aus wenig viel machen kann, denn ich habe erkannt, dass an einigen Rosinen eine Menge dran sein kann. Von einigen Leuten wird sie „Vipassana-Diät“ genannt, das einzige dabei ist, mit meiner Aufmerksamkeit ganz dabei zu sein, wenn ich etwas esse.
Bei den Rosinen fällt mir nur auf, dass der Geschmack der Rosinen nicht lange anhält. Dann wenn ich sie eine Weile gekaut habe, dann verschwindet der Geschmack. So muss ich sie immer weiter kauen, aber der letzte Teil ist dann nicht besonders geschmackvoll, und das ist der Moment, wo ich noch einmal zu den Rosinen greife. Ich kaue noch eine Weile, aber bevor ich die Rosinen schlucke, ist der Geschmack weg, und dann stecke ich mir erneut neue Rosinen in den Mund.
Aber warum tue ich das? Weil der Geschmack süß und angenehm ist, und was erlebe ich als Nächstes? Natürlich Verlagen und Zugreifen. Denn ich will mehr davon, und ich ersuche schon einen nächsten Bissen zu bekommen, während ich den vorherigen noch nicht einmal geschluckt habe. Mit diesen paar Rosinen kann ich den ganzen Kreislauf verstehen, von dem in der buddhistischen Psychologie die Rede ist, dass das Leben aus einer Reihe ständig sich verändernder Empfindungen besteht, einige davon sind angenehm, andere unangenehm und wieder andere neutral. Meine unbewusste Reaktion aber besteht darin, die angenehmen zu ergreifen und die unangenehmen abzulehnen, sodass ich ständig gegen die grundsätzliche Vergänglichkeit meiner Erfahrungen ankämpfe. Ich kann mich wirklich nicht damit abfinden, dass die Dinge kommen und gehen.
Wenn ich Achtsamkeit übe, während ich die Rosinen esse, dann beginne ich, etwas anderes zu lernen als die übliche Angewohnheit, entweder zuzugreifen oder wegzustoßen. Denn ich nehme nicht nur das Süße wahr, sondern auch, dass sie nicht erhalten bleibt und allmählich verschwindet. Ich kann ihre Anwesenheit zur Kenntnis nehmen, und ich kann mich ebenso gut darauf einstellen, was immer als Nächstes kommt, das ist das Wesen aller Meditation.
Doch ein weiterer Aspekt der Essmeditation besteht darin, dass ich, wenn ich eine ganze Mahlzeit im Zustand der Achtsamkeit zu mir nehme, versuchen kann, die verschiedenen Stimmen zu identifizieren, die während des Essens zu mir sprechen. Denn die meisten Menschen können mindestens ein halbes Dutzend solcher Stimmen aus machen. Mein Bauch spricht vielleicht als Erster und sagt: dass er genug habe und sich wohl fühle, wie es jetzt sei. Aber dann wird meine Zunge einwenden: Aber das Zeug da drüben war richtig gut, ich möchte noch mehr haben. Die Augen sagen : Ja, und ich habe den Nachtisch noch gar nicht probiert. Und eine Stimme im Kopf sagt: Nein, hör lieber auf, du bist schon dick genug. Doch dann mischt sich die Stimme meiner Mutter ein: Das erst dann aufhören darf, wenn ich den Teller leer gegessen habe. Und ich werde jeder dieser Stimmen, mit ihren unterschiedlichen Meinungen hören, wie viel oder wie wenig ich essen soll.Doch manche Menschen machen die Essmeditation bei einer Mahlzeit in jeder Woche oder bei einem Imbiss pro Tag,wobei ich einen Apfel esse und daraus eine 15 Minuten lange Essmeditation machen kann. Und so empfinden dann einige Menschen, dass sich jetzt ihr körperliches Wohlbefinden erheblich verbessert hat, wenn sie lernen, gelegentlich zu essen.
Der Sinn dieser Meditation besteht darin, sich dieser Stimmung bewusst zu machen, damit ich feststellen kann, welchen davon ich Folge leisten kann, und dann zu lernen, nach und nach die übrigen Stimmen zu hören. Doch die Kunst des weisen Lebens hängt damit zusammen, dass ich aufmerksam beobachte, aber ich kann auch lernen, und meine Erfahrungen auch dann aufmerksam beobachten, wenn ich nicht auf dem Meditation-Kissen sitze. Aber weil ich und andere Menschen am Tag mehrere Mahlzeiten am Tag zu uns nehmen, so bietet mir die Essmeditation eine gute Gelegenheit, öfters am Tag bewusst zu werden.

Montag, 19. Februar 2018

Herzensgüte - Meditation

Herzensgüte-Meditation
Herzensgüte ich eine alte Meditationsübung, in der ich ganz bewusst die Gefühle meines Herzens auf mich selbst richte, dann auf Menschen, die ich liebe, und sie auf alle empfindsamen Lebewesen in der Welt ausdehne.
Mahatma Ghandi sagte einmal:“Ich glaube an die grundsätzliche Einheit aller Lebewesen, und deshalb bin ich zutiefst davon überzeugt, dass, wenn ein einzelner Mensch in spiritueller Hinsicht reicher wird, die ganze Welt dadurch bereichert wird. Und wenn ein einzelner Mensch stürzt, dann hat die ganze Welt an diesem Sturz teil.“ Daher ist es nicht einfach eine mechanische oder automatische Tätigkeit, wenn ich anderen etwas Gute wünsche oder ihnen liebevolle Gedanken und Gebete sende. Die Übung basiert auf die Wirkung, die meine Gedanken, Gefühle und Handlungen auf die Welt um mich herum ausübt. Jeder Mensch hat teil an den zehntausend Freuden und den zehntausend von Sorgen des Lebens. Ich habe genug Sorgen erlebt, um jeden der sie hört, zum Weinen zu bringen. Ich habe auch Schönheit erlebt, um jedermann mit Freude zu erfüllen. Wenn ich die Herzensgüte-Meditation praktiziere, dann verbinde ich mein Herz mit anderen um mich herum.
Die Herzensgüte-Meditation ist im Grunde eine Ergänzung zu der Vipassana-Meditation, die ich bisher praktiziert habe. Ich kann die Herzensgüte-Meditation zu Beginn einer Meditationssitzung durchführen, um mich in eine milde Stimmung zu versetzen, oder ich kann sie ans Ende meiner Übung setzen, als ein Mittel, um den Geist der Güte in meiner Meditation zu verstärken.Wenn die Übung mir unnatürlich oder gekünstelt erscheint, kann ich solange mit Worten und Sätzen experimentieren, bis ich welche finde, mit denen ich besser zurecht komme. Einige Menschen haben den Eindruck, dass diese Meditation nicht das Richtige für sie ist, was nicht bedeutet, dass sie keine liebevollen Menschen sind. Wenn das bei mir der Fall sein sollte, dann sei mir selbst gegenüber liebevoll, um dies zu akzeptieren, und kehre dann zu deinem Atem oder deinen körperlichen Empfindungen zurück.
Doch für die meisten Menschen ist dies eine Übung, wenn der man den Eindruck hat, dass sie, regelmäßig durchgeführt, ihnen hilft, in ihren Herzen ein tieferes Gefühl von liebevoller Güte zu entwickeln und zu verfeinern.Wenn ich liebevolle Güte in den Garten meines Herzens pflanze und sie beständig nähre und pflege, dann wird die allmählich wachsen und sich ausbreiten.
Eine weitere gute Sache mit der Herzensgüte-Meditation besteht darin, dass ich sie an jedem Ort und zu jeder Zeit durchführen kann wie beim Spazierengehen auf der Straße: „Möge dieser Mensch glücklich von liebevoller Güte erfüllt sein oder „Recht bald werde ich für alle Menschen, die mir auf der Straße oder im Verkehr begegnen, ein Gefühl der Liebe empfinden“ Ich kann diese Übungen auch im Bus oder in einem Flugzeug durchführen.
Wie schon zuvor beginne ich damit, dass ich zu einer bequemen Haltung finde, meine Augen langsam zufallen lasse und meinem Körper und meinem Atem erlaube, sich zu entspannen. Ich richte dann meine Aufmerksamkeit auf meine Herzgegend, und ich beobachte wie ich mein Herz und meinen Atem gleichzeitig spüre, so als ob mein Herz hinein und hinaus atmen kann, und ich spüre den Atem, wie er direkt in die Mitte meines Herzens hineinströmt und dann wieder herausströmt.
Traditionsgemäß beginnt die Herzensgüte-Meditation damit, dass ich die liebevolle Güte auf mich selbst ausrichte, denn wenn es in mir Dinge gibt, die ich verabscheue oder nicht gutheißen kann, dann ist es sehr schwierig, solche Dinge bei anderen Menschen liebevoll anzunehmen.
Der nächste Schritt besteht darin, für meine eigenen Kämpfe und Sorgen Mitgefühl zu empfinden. Jeder Mensch auf der Welt erlebt die gleichen Schmerzen und Sorgen. Ich will versuchen, meine Sorgen mit einem offenen Herzen, voller Mitgefühl und mit liebevoller Güte anzunehmen.
Ich versuche als Nächstes, ein Gefühl dafür zu entwickeln, wie ich als Kind war, und ein Gefühl dafür, wie Kinder natürlich Liebe in den Menschen ihrer Umgebung erwecken, ohne dass sie etwas Besonderes tun müssen, um sich die Liebe zu verdienen. Ich halte dann dieses Bild von mir selbst als Kind in meinem offenen Herzen fest und versuche, mein Herz noch weiter zu öffnen, sodass es all das, was ich in meinem Körper spüre, all meine Empfindungen, all meine Stimmungen und Gedanken in dieses Gefühl von liebevoller Güte einschließen kann.
Ich denke an jemanden, den ich liebe, an einen Menschen, für den ich Mitgefühl empfinde. Ich weiß, dass er ebenso wie ich kämpfen und leiden muss, und ich möchte ihm helfen, möchte, dass er von liebevoller Güte und Frieden erfüllt ist, und ich bitte darum, dass sein Herz offen und glücklich ist.
Ich öffne mein Herz ein wenig weiter, um auch andere Menschen, die ich liebe, darin ein zuschließen, und ich wünsche, dass sie, dass sie glücklich sind und ihr Herz geöffnet haben, und dass es mit liebevoller Güte und Frieden gefüllt ist.
Ich öffne mein Herz noch weiter, damit es groß genug ist, um auch meine Freunde und die Menschen, die ich gerne habe, zu umfassen. Mögen sie alle glücklich sein, und möge ihr Herz von liebevoller Güte erfüllt sein.
Dann versuche ich, mein Herz noch größer zu machen, so groß, dass es den ganzen Raum füllen kann, bis er schließlich ein ganzes Feld von liebevoller Güte wird, groß genug, um all die zehntausend Freunde und die zehntausend Sorgen zu umfassen, die das Leben eines jeden Menschen ausmachen.
Ich spüre dann, wie mein Herz weiter wächst und noch größer wird als der Raum, in dem ich mich befinde, und er sich in jede Richtung ausdehnt, vor mit und hinter mir, nach links und rechts, über dir und unter dir. Lass dein Herz so groß werden, dass es deine nähere Umgebung, diene Stadt, dein Land und die ganze Welt umfassen kann, so als ob du die Erde mit einem Gefühl von liebevoller Güte bedecken und beschützen könntest. Stell die die Erde vor und nimm sie in deine Arme und in dein Herz, all die Ozeane und Kontinente mit ihrer Fülle von Lebewesen, Wale und Fische und Vögel und Insekten und Bäume, Urwälder und Wüsten und jeden Menschen auf diesem Planeten, bis ich die ganze Erde im Zentrum dieser liebevollen Güte und dieses Mitgefühles festhalten kann.
Bitte nun zum Abschluss, dass alle Lebewesen vom Kern dieser Herzensgüte berührt werden, dass alle Lebewesen, die Neugeborenen, die Vergnügten, die in Sorge Verstrickten, die Sterbenden und alle anderen dazwischen, dass alle Wesen und Geschöpfe berührt, geöffnet und geheilt werden durch die Kraft und Herzensgüte und des Mitgefühls. Möge die Kraft meines Herzens, meiner Güte, meiner Liebe dieses Licht in die Welt und Freiheit für mein Leben und das aller anderen Lebewesen bringen.




Donnerstag, 15. Februar 2018

Vergebungsmeditation

Vergebung – Meditation
Zu den bisherigen Achtsamkeitsübungen, bei denen ich mit Atem und Körper, Herz und Verstand gearbeitet habe, gibt es noch zwei ergänzende Übungen, die in der Meditationspraxis als „Vergebung“ und „Herzensgüte“ bekannt sind.
Vergebung ist eines der Schlüsselworte im spirituellen Leben, denn wenn ich anderen vergebe, dann bin ich in der Lage, die Vergangenheit loszulassen und das Leben neu zu beginnen. Ohne Vergebung bleibe ich immer an dem „Wer hat das wem getan“ hängen und drehe mich damit ewig im Kreis.
Hier ein einfacher Satz von Buddha: „Hass wird niemals durch Hass vertrieben, nur durch Liebe kann er geheilt werden“. Die Kraft der Vergebung kann groß sein und jedes menschliche Wesen trägt die Vergebung in seinem Herzen.
Aber Vergebung bedeutet nicht, das, was geschehen ist, gut zu heißen. Wenn ich Vergebung anbiete, dann kann ich dazu sagen, dass das, was geschehen ist, falsch war und ich es niemals zulassen werde, dass es noch einmal geschieht, dass ich sogar mein Leben einsetzen würde, damit einem anderen Menschen nicht noch einmal solches Leid angetan wird.
Vergebung besteht darin, dass ich keinen Menschen aus meinem herzen ausschließe, selbst solche nicht, die aus einer Unwissenheit heraus, oder aus Verwirrung und Schmerz, etwas Unrechtes tun. Aber Vergebung besteht auch darin, das Vergangene loszulassen und sich darüber einig zu sein, dass auch, wenn etwas falsch war, der Weg nach vorne damit beginnt, dass ich neu anfange.
Es ist wichtig zu begreifen, dass die Vergebungsübung eine Übung ist, das heißt, dass ich sie 50 oder 100 Mal oder noch öfters ausführen muss, bevor sich ein echtes Gefühl von Vergebung in meinem Herzen einstellt. Ein Teil dieses Prozesses kann Zorn und Empörung beinhalten, ein anderer Teil Kummer und Sorgen. Dieser Prozess führt dazu, dass ich zum ersten Mal begreife, wie viel Zorn ich mit mir herumschleppe und wie tief mein Schmerz ist. Und diesen Schmerz kann ich nicht mit spirituellen Sprechblasen zum Thema Vergebung und Nächstenliebe übertünchen.
Vergebung bedeutet, dass ich beschließe, den Hass in meinem Inneren nicht länger mitzuschleppen, weil ich begriffen habe, dass er mich vergiftet. Es ist wichtig zu erkennen, dass die Gewährung von Vergebung eine gewaltige Wirkung auf den Menschen hat, der das macht.
Menschen stellen zu Anfang manchmal fest, dass es sich für sie gekünstelt oder unnatürlich anfühlt, zu vergeben. Wenn das bei mir auch der Fall sein sollte, ist es in Ordnung, ich kann meine Meditation durchführen und dabei offen sein für alles, was sich ereignen mag. Bisweilen werde ich das Gegenteil von Mitgefühl erleben wie Zorn oder Frustration oder Leere. Wenn ich diese Erfahrung mache, dann sollte ich diese Gefühle mit liebevoller Güte annehmen.
Es gibt in jedem Menschen einen Teil, der sich danach sehnt zu lieben, der danach verlangt, in Sicherheit zu sein, der sich selbst und andere mit Respekt behandeln möchte. Doch oft ist dieser Teil unter vielen Schichten von Furcht, alten Wunden; Zynismus und Schmerz begraben, mit denen ich mich vor Verletzungen zu schützen versuche.
Ich begebe mich wieder in eine bequeme Haltung, lass meine Augen langsam zu fallen und kehre zum Atem zurück. Ich lasse meine Aufmerksamkeit feinfühlig sein, dass ich selbst die leiseste Bewegung in meinem Atem spüre.
Zuerst bitte ich um Vergebung für mich selbst, dafür, dass ich irgendjemand durch Gedanken, Worte oder taten, wissentlich oder unwissentlich, verletzt oder geschädigt habe, und das habe ich irgendwie. Ich benehme mich bisweilen ungeschickt aus meinem Schmerz oder aus meinem Ärger heraus. Ich lasse diese Vorfälle, wo ich andere geschädigt habe, vor meinem geistigen Auge erscheinen, nehme es mir zu Herzen und bitte um Vergebung.
Ich bitte um Vergebung für all die Fälle, wo ich mir selbst aus Angst, Schmerz Unwissenheit, Nachlässigkeit oder Unehrlichkeit, Verletzungen oder Schaden zugefügt habe. Ich lasse die Bilder von all den Fällen, in denen ich mich selbst verletzt oder geschädigt habe, in mein Bewusstsein aufsteigen und bitte um Vergebung.
Und ich lasse mir den Kummer und die Wunden, die mir durch Handlungen anderer Menschen zugefügt wurden, ins Bewusstsein kommen. Ich mache mir klar, dass diese Menschen mich aus Furcht, Schmerz und Verwirrung heraus verletzt und geschädigt haben. Ich spüre die Stellen in meinem Herzen, wo ich noch Groll hege, und berühre sie mit Güte und Vergebung und schau nach, ob es an der zeit ist, loszulassen. Und ich dehne, in dem Ausmaß, wie es mir möglich ist, meine Vergebung auf all jene Menschen aus, die mich wissentlich oder unwissentlich verletzt oder geschädigt haben, durch Gedanken, Worte oder Taten.


Mittwoch, 14. Februar 2018

Die Gedanken beobachten

Die Gedanken beobachten
Sobald sich die Meditation vertieft, stellen die Menschen oft fest:“Ich verstricke mich während eines Großteils der Zeit in Gedanken.“
Ich habe gelernt, dass die Gefühle von Verlangen, Unruhe, Zweifel, Furcht oder Abneigung auftauchen und dann wieder verschwinden, und dass ich mich vor ihnen verbeuge, und sie als einen Bestandteil der Meditation akzeptiere kann. Es wird in gleicher Weise die Bewegungen des Verstandes geben, der Geschichten erzählt, Pläne schmiedet, Erinnerungen und Phantasien ausbreitet. Die Aufgabe der Meditation besteht einfach darin, zu akzeptieren, dass der Verstand im Augenblick Pläne oder Erinnerungen oder sonst was produziert. Normalerweise verschwindet das, wenn ich es mit zwei Worten wie „Planen“ anerkenne, und ich kann zu meinem nächsten Atemzug zurückkehren.
Gelegentlich ertappe ich mich dabei, wie ich etwas, das mir in der Vergangenheit zugestoßen ist, noch einmal durchlebe. Hier eine kleine Geschichte dazu.“ Der heilige Narr Mullah Nasrudin wollte eines Tages einen Scheck in einer Bank einlösen, und er wurde gefragt: ob er sich bitte identifizieren könnte. Daraufhin griff Mullah Nasrudin in seine Tasche, zog einen kleinen Spiegel aus der Tasche und schaute in den Spiegel und sagte.“Ja, stimmt, das bin ich.“
Und so ähnlich macht es mein Verstand während der Meditation, denn er rekapituliert die Vergangenheit. Der Verstand erzählt mir Geschichten über das, was ich in der Vergangenheit erlebt habe und macht sich Vorstellungen darüber, was mir in der Zukunft begegnen wird. Doch nach einer Weile werde ich die Geschichten über die Vergangenheit und die Zukunft satt haben, aber es ist wichtig, sie nicht zu bewerten. Und ich versuche zu erkennen, dass die Geschichten nicht wirklich sind, die ich aus bestimmten Gründen unbedingt erzählen wollte, aber nicht etwa, das es gerade im Augenblick geschieht. Ich erkenne die Geschichten an als „Erinnern“ oder „Planen“ und kehre zum Atem zurück.
Es spielt keine Rolle, wie oft meine Gedanken abschweifen und wie lange das dauert, denn es ist etwas, das ich nur bedingt unter Kontrolle habe. Der magische Moment ist wichtig, wenn ich wach werde und erkenne: „Oh, ich war gerade in Gedanken.“ Es ist egal, ob es fünf Sekunden oder fünf Minuten später geschieht, denn das ist der entscheidende Moment, weil ich in diesem Augenblick die Wahl habe, mich entweder weiter in Gedanken zu verlieren oder ins Hier und Jetzt zurückzukehren. Wenn ich das Letztere tue, dann übe ich mich darin, zu erwachen und in einer achtsamen Art und Weise im gegenwärtigen Augenblick zu leben.
Wie steht es mit Geschichten, die sich unablässig wiederholen? So gibt es einige Geschichten, die die „Top Ten“ der Meditation darstellen. Ich sitze da, die Aufnahme beginnt zu laufen und erzählt die Geschichte immer wieder. Aber ich kann, wenn ein Gedanke da ist, der dauernd wiederkommt, benennen als das, was auch immer er ist wie „Planen“ oder „Erinnern“. Kommt er trotzdem immer wieder, so kann es ein Zeichen sein, dass etwas ist, das gefühlt oder angenommen werden will. Es kann ein Verlust sein, der anerkannt, oder ein kreativer Impuls, der gesehen und respektiert werden möchte.
Ich werde etwas erleben, das ich als „Anfälle von Kreativität“ nenne, und das heißt, wenn ich zur Ruhe komme, dann öffnen sich tiefere Ebenen der Besinnung und des Verstehens, oder verborgene Dinge kommen an die Oberfläche, die zum Ausdruck gebracht oder verstanden werden wollen. Ich kann diesen Einsichten ein wenig Zeit widmen, aber das sollte nicht zur Gewohnheit werden, denn damit verstopfe ich meinen Geist. Es ist besser, ihn leer zu halten bzw. einfach alles loszulassen, diese machtvollen Einsichten eingeschlossen.
Ich habe reichlich Zeit, mich mit ihnen zu beschäftigen, wenn ich nicht meditiere. Es ist natürlich, dass sie während der Meditation auftauchen, aber um mich darauf zu fixieren, ist es besser, sich daran zu erinnern, dass ich hier mit der Absicht zu meditieren sitze. Ich sage am besten zu mir selbst, dass ich mich mit diesen Ideen weiter beschäftigen kann, wenn die Meditation vorbei ist, aber dass ich in diesem Augenblick mit der Meditation fortfahren will.
Die Gedanken sind meine Verbindung zu den Dingen. Wenn ich ein Jucken spüre, das Geräusch eines Regentropfen höre oder einen Schmerz im Knie empfinde, dann sind das alles unmittelbare Sinneseindrücke. Das ist einfach ein Jucken, ein Geräusch oder ein Schmerz. Aber in dem Moment, wo sich der Schmerz einstellt, denke ich: „Ich möchte wissen, , wie lange das wohl anhalten wird?“ Oder ich höre den Regen und denke:“ Ob es morgen auch noch regnet?“ Oder ich spüre das Jucken und sage zu mir: „Ich dachte, es gibt keine Mücken hier, woher kommt dieses Jucken?“ Erst war der unmittelbare Sinneseindruck da, und dann kommt der Gedanke hinzu.
Versuche ich während der Meditation, meine Gedanken zu erkennen, dann werden sie mir nicht sofort zu Bewusstsein kommen, oder sie werden sehr still werden. Aber wenn ich geduldig abwarte, dann sagt ein Gedanke: „Das ist aber sehr still hier, nicht wahr?“ Oder sie schleichen sich von hinten an und tun so, als ob sie gar keine richtigen Gedanken sind. Ich mag an Dinge danken wie: „Bis jetzt waren aber nicht viele Gedanken da, oder?“ Ein Problem ist, dass ich dazu neige, mich unmittelbar mit meinen Gedanken zu identifizieren, dass ich in der Meditation zum ersten Mal in der Lage bin, diesen inneren Strom wahrzunehmen.
Mit der Zeit werde ich meine persönliche Denkweise kennenlernen. Manche Menschen benutzen fast ausschließlich Bilder und wenige Worte, andere hingegen verwenden Bilder als auch Worte, manchmal synchron, manchmal sind die Bilder mehr Erinnerungen oder Phantasiebilder oder etwas anderes, während die Worte sich mit Plänen beschäftigen, und sie erfüllen verschiedene Aufgaben. Wieder andere Menschen haben fast nur Worte und sehen nur selten Bilder.
Ich werde entdecken, dass es möglich ist, sich nicht nur den Atem oder Körperempfindungen oder Geräusche bewusst zu machen, sondern auch den inneren Strom von Bildern, Vorstellungen und Worten, die sonst größtenteils unbeachtet bleiben. Eine der Schlüsseleinsichten in der Meditation betrifft die Art und Weise, wie mein Verstand arbeitet, und es gibt verschiedene Möglichkeiten, damit umzugehen. Zuerst muss ich anerkennen, dass ich viel Zeit damit verbringe, mich in Gedanken zu verlieren. Eine mögliche Reaktion darauf, alles ernst zu nehmen und meinen Gedanken und Stimmungen und dergleichen, Glauben zu schenken. Allgemein führt das zu Schwierigkeiten und Leiden. Aber eine andere Möglichkeit besteht darin, das von einem Ort anzuhören, der sich nicht im Verstand, sondern im Herzen befindet und der mit mehr Sinn für Offenheit, mit Weisheit und Verständnis zuhört, und dann auf die Dinge einzugehen, ohne sich von ihnen einzufangen zu lassen.
In der vierten Meditation sollte ich zu einer Haltung finden, in der ich aufrecht und bequem sitzen kann. Ich konzentriere mich zuerst auf meinen Atem und mache ihn zum Mittelpunkt der Meditation. Ich beobachte ihn aufmerksam und spüre seinen Anfang, seine Mitte und sein Ende. Ist der Atem kurz oder lang oder schwach? Tauchen körperliche Empfindungen, Geräusche oder Gefühle auf, während ich den Atem beobachte und sie deutlicher werden, dann verlasse ich den Atem und benenne sie, während ich ihnen die gleiche Aufmerksamkeit zuteil werden lasse wie vorher dem Atem.
Darüber hinaus will ich in dieser Meditation den Bereich der Gedanken mit einbeziehen. Während ich dem Atem folge und Gedanken auftauche, die eindringlich sind und mich verstricken, egal ob sie als eine Reihe von Bildern oder Worten erscheinen oder als Erinnerung oder Planung, dann benenne ich sie als „Denken“. Aber ich kann sie auch als „Planen“ oder „Erinnern“ bezeichnen.
Ist es ein starker oder belastender Gedanke, und ich ich ihn als „Denken“ bezeichne, dann dauert er an. Ist das so, dann kann ich ihn weiter benennen als „Erinnern“ oder „Planen“ bis er verschwindet, und er wird es tun, und ich kann zum Atem zurückkehren. Ich mache mir bewusst, was sich gegenwärtig abspielt, und ich versuche nicht, es zu ändern, sondern beobachte es mit einer freundlichen, sorgfältigen Aufmerksamkeit.
Die Menschen geraten bei diesem Prozess der Benennung in Verwirrung. Es erscheint ihnen zu schwierig für die Gefühle und Gedanken einen Namen zu finden. „War das ein Plan oder eine Erinnerung? Ist das Traurigkeit oder Sorge?“ Erscheint es zu kompliziert, dann halte ich die Namen einfach. Ich kann sie entweder weglassen oder feststellen: „Fühlen“ oder „Denken“. Die Benennung ist nur ein Hilfsmittel, um mir bewusst zu werden, was sich abspielt. Wenn es mir hilft, dann kann ich es benutzen, und tut es das nicht, dann richte ich die Aufmerksamkeit auf das, was gegenwärtig ist.
Im Verlauf meiner Meditationsübungen hat sich meine Aufmerksamkeit ausgedehnt, vom Atem und der Körperhaltung ausgehend, und schließt auch die Energien und die Körperempfindungen in mich ein. Ich habe gelernt, die Geräusche einzubeziehen, die um mich herum auftreten, als auch die Gedanken, Vorstellungen und Geschichten, die der Verstand produziert. In dieser Weise öffne ich die Meditation für die Melodie des Lebens, für den Tanz der Energien, den ich erfahre, wenn ich dasitze. Ich stelle den Atem in den Mittelpunkt, um zur Ruhe zu kommen, und friedlich zu werden, und dann begegne ich aus diesem Bewusstsein heraus allem, was auftauchen mag, mit Freundlichkeit und Annahme. Und so kann es, was immer auf mich zukommt, zu einem Teil meiner Meditation werden.